Ettore Bugatti – Perfektionist und Erfinder

Ein technisches Produkt ist erst dann perfekt, wenn es auch vom ästhetischen Standpunkt her perfekt ist, sagte einst Ettore Bugatti. Der Firmengründer hatte diesen Anspruch allerdings nicht nur an die Fahrzeuge, die er kreierte, sondern auch an andere Gebrauchsgegenstände des Alltags. Wenn er mit einem Gegenstand, den er gekauft hatte, nicht zufrieden war, verbesserte er ihn häufig oder produzierte ihn gleich selbst. Wie groß sein Erfindergeist war, zeigt eine kleine Auswahl.

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Der Hühnerstall

Ettore Bugatti liebte Pasta über alles und ließ sie sich von einem italienischen Koch immer frisch zubereiten. Dazu benötigte er Hühnereier. Eines Tages kehrte der Markengründer nach einem erfolglosen Einkauf und ohne die wichtige Zutat verärgert zurück nachhause. Denn die Preise hatten sich zum wiederholten Male erhöht. Daraufhin beschloss er, selbst Hühner zu halten und baute seine eigene, kleine Hühnerfarm auf. Den Stall konzipierte er mit Rädern, damit er ihn auf seinem großen Gelände verschieben konnte. Natürlich waren die Eier durch die Investition hinterher deutlich teurer, als wenn er sie einzeln gekauft hätte. Aber zumindest waren sie frisch und er war nicht mehr abhängig von den Landwirten.

Die Nudelmaschine mit dem Lenkrad

Eines Tages beschwerte sich Bugattis Koch über eine defekte Nudel-Maschine in seiner Küche. Bis eine neue Maschine ins Elsass geliefert werden könnte, würden einige Wochen vergehen. Da Ettore Bugatti nicht auf seine geliebten eigenen Nudeln verzichten wollte, konzipierte er eine neue Maschine. Eine, die einfach zu bedienen war, ästhetisch aussah und die beste Pasta weit und breit produzieren konnte. Nach seinen Vorlagen bauten Mechaniker in seiner Manufaktur eine entsprechende Maschine. Ganz Autoproduzent, dient statt eines gewöhnlichen Handrads ein Autolenkrad vom Bugatti Type 46 als Kurbel, um die Maschine zu bedienen und den Teig in Pasta umzuwandeln. Die originale Maschine wurde im März bei Bonhams für rund 37.500 Dollar versteigert.

Orangerie für sein Basilikum

Zu einer gepflegten Portion Pasta gehört für Ettore Bugatti auch die Verzierung mit zwei bis drei Blättern Basilikum. Da es sein geliebtes Basilikum nicht frisch in der Nähe von Molsheim gab, konstruierte sich Ettore Bugatti ein eigenes Gewächshaus mit einer speziellen Belüftung und einer außergewöhnlichen Stahlkonstruktion – die heute noch existierende Orangerie. Dort ließ Bugatti neben Basilikum auch Früchte und andere Pflanzen anbauen.

Ettore Bugattis Besteck

Wie schon an der eigenen Hühnerfarm und der Pasta-Maschine zu erkennen ist, legte Ettore Bugatti viel Wert auf Kulinarik und Genuss. So störte ihn, dass ihm für den Zwischengang bei einem üblichen Menü spezielles Besteck fehlte. Er beschloss daraufhin, für sich selbst das perfekte Besteck mit einem eigenen Design zu entwickeln. Jedes Element trug ein „EB“-Wappen und lag ergonomisch perfekt in der Hand. Dazu folgte eine auf ihn abgestimmte Anordnung des Tischgedecks inklusive Bestecks, Teller und Gläser. Berühmt für sein gutes Benehmen und in Erwartung des Gleichen von seinen Gästen, soll sich Bugatti einst geweigert haben, einem Gentleman königlicher Abstammung ein Auto zu verkaufen, weil dieser schlechte Tischmanieren hatte – er konnte einfach nicht mit Messer und Gabel essen.

Bébé Bugatti Type 52

Früh übt sich, wer später ein guter Autofahrer werden soll. Zum fünften Geburtstag seines Sohnes Roland konzipiert Ettore Bugatti eine 1:2-Miniaturversion des Type 35, den Type 52. Dieses „Bébé Bugatti“ genannte Fahrzeug wurde von einem Elektromotor und einem 12-Volt-Akku angetrieben und fuhr bis zu 20 km/h schnell. Das Fahrzeug diente dem Spross als flottes Fortbewegungsmittel rund ums Château, fand aber auch schnell Anklang bei Besuchern, Freunden und Kunden. Viele waren vom Bébé Bugatti angetan und bestellten ihn. Insgesamt produziert Ettore Bugatti zwischen 1927 und 1930 ein paar hundert Fahrzeuge davon. Ein voller Erfolg. The Little Car Company belebte vor kurzem den Bébé Bugatti wieder.

Ettores Patente

Im Laufe seines Lebens ließ Ettore Bugatti etwa tausend Erfindungen patentieren. Dabei stehen nicht alle Patente in direkter Verbindung zum Auto, wie die Aluminiumfelge, eine unzerbrechliche Windschutzscheibe, ultraleichte Klappsitze und automatische Einfüllverschlüsse. Oder auch seine eigenen sechseckigen Schrauben und Muttern, die besser und stabiler hielten als andere, selbst bei schneller Fahrt. Auch über Gegenstände des Alltags machte sich Ettore Bugatti Gedanken und ließ seine neuen Ideen patentieren, wenn sie vielversprechend waren. Dazu zählen unter anderem ein zylinderförmiges Rasiermesser, ein ultraleichter Fahrrad- und Motorradrahmen sowie Sicherheitsschlösser. Sogar eine Wurfrute für Fischer entsprang dem Genie des genialen Erfinders. Daneben entwarf er unzählige Dinge für den praktischen Gebrauch im Alltag, die jedoch kein Patent erhielten, wie Tore, Türen, Leuchtkörper, Sessel, Schraubstöcke, OP-Besteck, Pferdegeschirr oder Jalousien für Fenster.

Pur Sang

Neben der Leidenschaft für Technik und Autos begeisterte sich Ettore Bugatti vor allem für Pferde – und das obwohl er Pferde durch die Produktion von Autos überflüssig machte. Als Experte für Vollblutpferde beschrieb Ettore seine Autos ähnlich wie seine Pferde: heißblütig, schnell und auf reine Kraft und Muskeln reduziert. „Le Pur-Sang des Automobils“. Für Bugatti waren Pferde nicht in erster Linie Fortbewegungsmittel, sondern edle Tiere. Er züchtete Vollblüter (pur Sang) und hielt sie auf seinem Gelände in Molsheim, in der Remise Nord und der Remise Süd Seine Liebe zu den Pferden ging so weit, dass er einige Türen in seinen Werkstätten durch spezielle, selbst entworfene Schlossplatten ersetzen ließ, die die Pferde durch Drücken mit der Nase öffnen konnten. Dadurch musste er nicht mehr vor dem Eintreten der Werkstätten absteigen und sie selbst öffnen, sondern konnte bequem durchreiten. Auch begrüßte Ettore Bugatti gerne Besucher und Kunden auf dem Pferderücken. Manchmal begleitete ihn sein Esel Totosche, ein Geschenk des Grafen Florio nach seinem fünften Sieg in Folge bei der Targa Florio. Das glückliche Tier streunte frei auf dem Gelände herum und war Teil von Ettores Privatzoo. Neben der Pferdezucht widmete sich Ettore Bugatti auch der Zucht von Terriern.

Ettores Fünf-Zehen-Schuhe

Lange vor den Fünf-Zehen-Schuhen der Neuzeit, spazierte Ettore Bugatti bereits mit diesen Schuhen umher. Es muss in den 1920er-Jahren gewesen sein, als der Rennfahrer Louis Charavel, meist unterwegs mit dem Pseudonym „Sabipa“, Ettore Bugatti in Molsheim besuchen wollte. Der trug einen Kolonialhelm, eine cremefarbene Seidenjacke mit blauem Saum und ganz besondere Schuhe – wie Finger-Handschuhe besaßen sie für jeden Zeh eine Ausbuchtung. Für Ettore Bugatti selbstverständlich und sehr bequem. „Wenn man Finger-Handschuhe haben will, kauft man schließlich keine Fäustlinge. Warum sollte es bei Schuhen nicht genauso sein?“, fragte er den staunenden Gast. Auch wenn er diese Schuhe nur selten trug, waren sie natürlich perfekt hergestellt – wie alle seine Erfindungen.

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